escape small
nach einer furchtbaren situation.

lieber d.,

ich weiß, dass du diesen brief nicht verstehen würdest, deswegen geht er in erster linie an mich selbst.
er ist ein aufruf an mich selbst, mir die situation einmal von oben anzuschauen. und ich stelle wie immer
erstaunt fest, dass das zittern, die angst und die atemlosigkeit nicht davon kommen, dass ich dich so sehr liebe
und du gegangen bist, sondern dass all diese symptome zeichen meiner abhängigkeit sind.
wie bei einem drogensüchtigen gibt es immer wieder zeichen körperlicher und geistiger abhängigkeit.
ob sie daher kommen dass ich in meiner kindheit zweimal von einem vater verlassen worden bin weiß ich nicht
und es ist mir auch egal. tatsache ist, dass ich JETZT mit dieser abhängigkeit zu kämpfen habe
und dass ich mir vieles vieles vieles nur antue, um bei dir bleiben zu dürfen und die entzugssymptome nicht spüren zu müssen.


ich weiß aus all der erfahrung, dass ich es auch ohne dich geschafft habe. dass ich weitergelebt habe.
dass ich sogar ab und an aus vollem herzen gelacht habe. und vielleicht hätte ich auch wieder wirklich lieben können,
wenn ich nicht immer noch liebe mit abhängigkeit gleichsetzen würde.

liebe wäre, dich ziehen zu lassen und selbst in frieden sein zu können.
inzwischen kann ich dich ziehen lassen, aber vom frieden bin ich weit entfernt.

ich fühle mich schuldig an der situation, bin mir aber nicht mal sicher, ob ich das sein muss.
ja, ich habe scheinbar einen falschen satz gesagt, das kann passieren. jedem. in meinen augen hast du mich seitdem
mit ignoranz gestraft. ich glaube nicht einmal, dass du es als strafe gemeint hast, aber für mich fühlt
sich das jedesmal danach an. du hast mir nicht einmal tschüß gesagt, als du vorhin gegangen bist.
seit gestern abend hast du mich nicht mehr umarmt, obwohl du gesagt hast, dass du nicht böse auf mich bist. du kannst mir
nicht zeigen, dass du mich liebst, wenn es dir schlecht geht und das tut mir jedesmal weh.
und wenn ich jetzt sagen würde, dass es nur weh tut, weil ich abhängig von dir bin, würde ich mir
wieder die schuld geben, deswegen lasse ich es einfach. hier geht es gar nicht um schuld.

gott hat mir niemals etwas aufgetragen, was ich nicht bewältigen konnte.

und jetzt muss ich doch schauen, ob du online bist.
nein, bist du nicht. und ich bin froh, da du dann wenigstens jetzt nicht mit mir schluss machst.
absurder gedankengang oder nicht?
tatsache ist: wenn du mich wirklich lieben würdest, würdest du jetzt nicht mit mir schluss machen wegen
einem falschen satz. oder meinetwegen auch mehreren falschen sätzen in den letzten tagen. doch die passieren dir auch
und das müsstest du wissen. und tatsache ist: wenn ich dich wirklich lieben würde, würde
ich jetzt nicht hier sitzen und zittern. vielleicht sind wir nur eine zweckgemeinschaft.

 

3.10.10 10:21
 


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